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Fisch des Jahres 2016. Der Hecht

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Kaum ein anderer Fisch ist so in unserem Sprachgebrauch verwurzelt. „in toller Hecht“, „der Hechtsprung“, „fühlt sich wohl wie der Hecht im Karpfenteich“. Schon immer hat der „kapitale (große) Hecht die Phantasie der Menschen beflügelt. Auch die Angler berichten gerne von einem kapitalem Hecht, den sie beinahe gefangen hätten, wäre da nicht die Schur gerissen, der Haken aufgebogen oder die Angelgötter gegen ihn gewesen.

Leider geht es ihm wie vielem, das wir in Worten schätzen. Wir tun nichts dafür dass er ein angemessenes Biotop hat um „Hechtgerecht“ zu leben.

In Stuttgart im Neckar ist der Hecht ein eher selten anzutreffender Fisch. Wenige Flachwasserzonen als Kinderstube für den Nachwuchs. In den Schifffahrtsrinnen ohne Versteck. Da fallen nahezu alle Hechte die das erste Lebensjahr überlebt haben dem Kormoran zum Opfer. Sie stehen frei und schutzlos im offenen Wasser und werden leichte Beute für die schwarzen Flugräuber.

Im Max-Eyth-See sind ähnliche Verhältnisse. Keine Unterwasserpflanzen. Keine Strukturen am Gewässergrund. Die Ufer hart verbaut mit Steinpackungen, ohne Lücken. Und wer sich als junger Hecht etwas vom Ufer wegbewegt wird von den ständig lauernden Kormoranen gefressen.

In den Parkseen im Rotwildpark ist nur im Neuen See ein naturnaher Hechtbestand. Seit der See abgelassen wurde haben sich die vorher gänzlich verschwundenen Unterwasserpflanzen erholt und bieten den Hecht zahlreiche Laichplätze und Verstecke. Und es gibt so gut wie keine Kormorane.

Anders im Bärensee. Eine grüne, gleichförmige Algensuppe ohne Unterwasserpflanzen. Kein Laichplatz, keine Verstecke für Hechte. Dabei wurde im Bärensee in den 70 iger Jahren ein toter Hecht mit 1,46 m Länge gefunden. Der damals größte in Deutschland dokumentierte Hecht.

Ein Sanierungsversuch, der von allen beteiligten Stuttgarter Behörden und der ENBW gut geheißen wurde , ablassen des Sees, ein halbes Jahr trocken stehen lassen und dann wieder befüllen, wurde mit unerfüllbaren Forderungen von BUND und Regierungspräsidium verhindert. Der BUND maßt sich dabei in seiner Stellungnahme an, man müsse prüfen was an dieser Stelle für die Natur gut wäre (Sind die Gott und für die Schöpfung zuständig?) Wir wollten einfach der Natur, wie am Neuen See erfolgreich durchgeführt, ihren natürlichen Lauf lassen und akzeptieren was die Natur uns anbietet.

Der Pfaffensee ist ein wechselhafter Geselle für den Hecht. In manchen Jahren wächst fast ausschließlich Knöterich der als Laichkraut wenig angenommen wird. Dann gibt es spontane große Algenteppiche mit lokalem Fischsterben.

Auch in diesem Gewässer fühlt sich der Hecht nicht wirklich wohl.

Es könnte besser sein. Aber ohne Hilfe durch Dritte können wir Angler die Situation nicht verbessern.

Hans-Hermann Schock